Selbstverständnis
Sexualisierte Gewalt und Folter werden international eingesetzt, um politische Gegner:innen einzuschüchtern, zum Schweigen zu bringen, Bewegungen zu schwächen und gesellschaftlichen Widerstand zu brechen. Berichte aus der Türkei, Israel, Indien, dem Kongo, Deutschland und vielen anderen Ländern zeigen, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt.
Sie stehen im Zusammenhang mit staatlichen Strukturen, institutionellem Missbrauch und politischer Straflosigkeit. Die Folgen für die Betroffenen sind massiv, sie leiden häufig ein Leben lang darunter. Hinzukommt, dass ihren Erfahrungen angezweifelt oder relativiert werden, sie werden isoliert und die Verantwortlichen geschützt. Dadurch wird die Gewalt unsichtbar gemacht und ihre politische Dimension verschleiert. Für staatliche Strukturen, die dahinter stehen und die konkreten Täter bleiben die Taten ohne Konsequenzen.
Wir wollen das Verändern. Wir wollen gemeinsam sichtbar machen, was verborgen bleiben soll und uns dafür einsetzen, dass Folter und sexualisierte Gewalt als politische Mittel der Vergangenheit angehören.
Wir wollen Betroffene stärken, Informationen zusammentragen, Öffentlichkeit schaffen und politischen, diplomatischen sowie juristischen Druck gegen staatliche Gewalt und Straflosigkeit aufbauen.
Betroffene dürfen nicht auf das reduziert werden, was ihnen angetan wurde. Sie sind nicht bloß Zeug:innen oder Opfer, sondern handelnde Menschen. Indem sie sprechen, Verantwortliche benennen, sich organisieren und ihre Forderungen formulieren, leisten sie Widerstand und bleiben ungebrochen.
Wir nehmen die Berichte von Betroffenen ernst. Wir stellen ihre Glaubwürdigkeit nicht infrage und verweigern uns einer politischen Kultur, in der Betroffene sich zuerst rechtfertigen müssen, bevor über die Verantwortlichen gesprochen wird.
Die öffentliche Sichtbarkeit konkreter Betroffener ist für den politischen Kampf wichtig. Dennoch dürfen sie nicht als isolierte Einzelfälle betrachtet werden. Ihre Stimmen stehen für die Erfahrungen tausender Frauen und anderer Betroffener, die sexualisierte Gewalt und Folter durch staatliche Akteure erleben.
